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21/08/2026

Geschlechtsneutrale Pronomen & Pronomen im Alltag: Der umfassende Guide für Allies

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Sprache schafft Räume für Sicherheit, Sichtbarkeit und Respekt. Doch wie funktionieren geschlechtsneutrale Pronomen wie dey oder Neopronomen wie xier im Alltag – und was sagt die Forschung dazu? Von den historischen Wurzeln bei Shakespeare bis zu praxistauglichen Tipps für Allies: Entdecke unseren umfassenden Guide für ein wertschätzendes Miteinander.

Sprache verändert sich ständig – sie passt sich an, wie wir leben, lieben und arbeiten. Wenn Menschen heute von geschlechtsneutralen Pronomen sprechen, geht es nicht um grammatikalische Strenge, sondern um gegenseitigen Respekt, persönliche Sicherheit und Sichtbarkeit. Immer mehr Allies, Unternehmen und Interessierte möchten verstehen, wie sie Pronomen im Alltag richtig nutzen und worauf es beim wertschätzenden Miteinander ankommt.

In diesem Guide beleuchten wir die faszinierende Geschichte geschlechtsneutraler Sprache, betrachten, was die aktuelle Forschung sagt, und geben dir eine fundierte Neopronomen Liste für Deutsch an die Hand.

Geschichte geschlechtsneutraler Pronomen: Von Shakespeare bis heute

Der Wunsch, Menschen unabhängig von binären Geschlechterkategorien anzusprechen, ist keineswegs eine moderne Erfindung. Der Blick in die Sprachgeschichte zeigt, dass geschlechtsneutrale Ansprachen seit Jahrhunderten etabliert sind.

Das historische „Singular They“ im Englischen

Im Englischen ist das geschlechtsneutrale Pronomen they in der Einzahl (Singular) seit dem Mittelalter nachweisbar. Bereits 1386 nutzte Geoffrey Chaucer in den Canterbury Tales das Singular They, um über eine Person unbestimmten Geschlechts zu schreiben. Auch William Shakespeare und Jane Austen verwendeten they ganz selbstverständlich im Singular. Das Oxford English Dictionary datiert diesen Sprachgebrauch auf das Jahr 1375 zurück, und 2019 wählte die US-Wörterbuchplattform Merriam-Webster „they“ zum Wort des Jahres.

Der schwedische Erfolgsweg von „Hen“

Schweden liefert ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein neues Pronomen organisch in eine Sprache einfließen kann. Bereits 1966 schlug der Sprachwissenschaftler Rolf Dunås das geschlechtsneutrale Pronomen hen vor (inspiriert vom finnischen hän). Nach jahrelanger Debatte nahm die Schwedische Akademie (Svenska Akademiens ordlista) das Wort 2015 offiziell auf. Heute ist hen aus Zeitungen, Behördenschreiben und dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Entwicklung im deutschsprachigen Raum

Im Deutschsprachigen legte die feministische Sprachwissenschaft der 1970er- und 80er-Jahre um Prof. Dr. Luise F. Pusch (Das Deutsche als Männersprache, 1984) den Grundstein für sprachkritische Debatten. Während der Fokus lange auf der Überwindung des generischen Maskulinums lag, entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine Bewegung hin zu non-binären Pronomen im Deutschen, um Menschen abseits von „er“ und „sie“ sichtbar zu machen.

Was Studien sagen: Pronomen & mentale Gesundheit im Fokus

Wer Pronomen erklären möchte, stößt oft auf die Frage: Macht die Anrede wirklich einen Unterschied? Die empirische Forschung antwortet hierauf mit einem eindeutigen Ja.

Die Russell-Studie (2018): Lebensrettende Respektbekundung

Eine Schlüsselstudie von Russell et al. (2018), veröffentlicht im Journal of Adolescent Health, untersuchte die Auswirkungen von Namens- und Pronomennutzung bei trans und nicht-binären Jugendlichen. Die Ergebnisse verdeutlichen die gesundheitliche Relevanz:

  • 71 % weniger Symptome schwerer Depressionen bei Jugendlichen, deren gewählte Pronomen in Schule, Arbeit und Familie respektiert wurden.
  • 34 % weniger Suizidgedanken und 65 % weniger Suizidversuche im Vergleich zu Jugendlichen, deren Pronomen ignoriert wurden.

Die Wissenschaft spricht hier von Gender Affirmation (der Bejahung der eigenen Identität) als Schutzfaktor gegen Minority Stress (den chronischen Stress durch Diskriminierungserfahrungen).

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Die Gegenwart in Zahlen

  • Gen Z & Identität: Laut einer Studie des Pew Research Centers identifizieren sich rund 5 % der jungen Erwachsenen unter 30 Jahren als trans oder nicht-binär.
  • Nutzung diverser Pronomen: Das Trevor Project zeigt, dass etwa ein Drittel der befragten LGBTQ+-Jugendlichen geschlechtsneutrale Pronomen nutzen.
  • Wirtschaft & Arbeitswelt: Über 50 % der DAX-40-Unternehmen sowie globale Konzerne wie Google oder SAP bieten mittlerweile optionale Pronomen-Felder in internen HR-Systemen und Kommunikations-Tools an.
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Neopronomen Liste Deutsch: Dey, Xier & non-binäre Pronomen im Überblick

Da es im Deutschen kein einzelnes, amtlich festgelegtes geschlechtsneutrales Pronomen gibt, existieren verschiedene grammatikalische Ansätze. Nachfolgend findest du eine Auswahl häufig verwendeter geschlechtsneutraler Pronomen und Neopronomen:

Neopronomen Liste Deutsch
Pronomen-Typ Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ Beispielsatz
Sie / Ihr Klassisch w.
sie ihrer ihr sie Sie liest ein Buch. Ich habe ihr geschrieben.
Er / Ihm Klassisch m.
er seiner ihm ihn Er liest ein Buch. Ich habe ihm geschrieben.
Dey Geschlechtsneutral
dey deren denen * dey Dey liest ein Buch. Ich habe denen eine Nachricht geschickt.
Xier Neopronomen (V 3.3)
xier xieser * xiem xien Xier liest ein Buch. Ich schicke xiem eine Nachricht.
Sier Neopronomen (V 2.1)
sier sies siem sien Sier liest ein Buch. Ich schicke siem eine Nachricht.
Pronomenlos Name nutzen
Kim Kims Kim Kim Kim liest ein Buch. Ich habe Kim eine Nachricht geschickt.
* Anmerkungen zur Grammatik:
Dey: Die gezeigte Deklination (dey/deren/denen/dey) ist eine weit verbreitete Variante. In der Praxis existieren auch Formen wie demm oder dem im Dativ.
Xier (Illi Anna Heger): Die Form xieser bezeichnet den Genitiv des Personalpronomens. Als besitzanzeigendes Wörtchen (Possessivpronomen) dient die Grundform xies (z. B. „Das ist xies Buch“).

Pronomen dey deren – Das deutsche Äquivalent zu They/Them

Besonders populär im deutschsprachigen Raum ist das Pronomen dey (gesprochen wie das englische they). Die Form dey / deren / denen / dey gehört laut Umfragen (u. a. des Vereins für geschlechtsneutrales Deutsch) zu den am häufigsten genutzten Varianten.

Wichtig: Es gibt keine alleinige Einheitsform. In der Praxis finden sich auch Varianten wie dey / deren / demm / demm oder dey / deren / dem / dem.

Beispiel: „Dey hat deren Schlüssel vergessen, kannst du denen Bescheid geben?“

Pronomen xier – Das systematische Neopronomen (Version 3.3)

Das von Illi Anna Heger entwickelte Neopronomen xier folgt in der aktuellen Version 3.3 einer klaren Systematik: xier / xieser / xiem / xien.

Genitiv des Personalpronomens: xieser („Ich schäme mich xieser“).

Possessivpronomen: Als besitzanzeigendes Wort dient die Grundform xies („Das ist xies Buch“). Je nach Bezugswort wird die Endung angepasst (xiese Katze, xieses Haus, xiesem Freund).

Pronomen sier – Historischer Wegbereiter (Version 2.1)

Das Neopronomen sier (sier / sies / siem / sien) wurde bereits 2010 von Illi Anna Heger entworfen. Da sier im gesprochenen Deutsch klanglich jedoch leicht mit sie verwechselt werden kann, entwickelte Heger 2012 darauf aufbauend das eindeutigere xier.

Pronomenlose Kommunikation

Manche Menschen bevorzugen es, gänzlich auf Personalpronomen zu verzichten. In diesem Fall nutzt du konsequent den Namen der Person. Für Besitzverhältnisse wird die gewohnte Genitivendung genutzt:

„Kim hat gesagt, dass Kim später zum Meeting kommt. Das ist Kims Jacke.“

Praxistipps: Wie nach Pronomen fragen & Pronomen in E-Mail-Signatur nutzen

Als Ally kannst du mit kleinen, unaufdringlichen Gesten enorme Räume für Akzeptanz und Sicherheit (Safe Spaces) schaffen.

Wie frage ich höflich nach Pronomen?

Die einfachste Methode ist, zuerst die eigenen Pronomen zu nennen. Das signalisiert Offenheit und nimmt deinem Gegenüber den Druck.

  • In Vorstellungsrunden: „Hi, ich bin Sam, meine Pronomen sind er/ihm. Schön, euch kennenzulernen!“
  • Im Vier-Augen-Gespräch: „Hallo! Wie soll ich dich am besten ansprechen? Welche Pronomen nutzt du?“

Pronomen in der E-Mail-Signatur & bei LinkedIn nutzen

Indem du deine Pronomen öffentlich machst – auch wenn du cisgender bist (d. h. dich mit deinem Geburtsgeschlecht identifizierst) –, normalisierst du die Praxis für alle.

E-Mail-Signatur:

Mit freundlichen Grüßen

Alex Miller (sie/ihr)

Senior Project Manager

Pronomen bei LinkedIn angeben: LinkedIn bietet im Profilbereich direkt neben dem Namen ein eigenes Feld für Pronomen an (z. B. she/her, he/him, they/them oder benutzerdefiniert).

Pannen-Knigge: Misgendering vermeiden & richtig reagieren

Solltest du versehentlich das falsche Pronomen für jemanden nutzen, spricht man von Misgendering. Das passiert vor allem am Anfang, wenn das Gehirn neue Sprachmuster erst noch automatisieren muss (Kognitive Plastizität).

Was tun, wenn ein Versprecher passiert?

Die wichtigste Regel lautet: Mach kein Drama daraus.

Richtig: Kurz korrigieren, beiläufig entschuldigen und den Satz richtig zu Ende sprechen.

„Er hat gesagt… Entschuldigung, dey hat gesagt, dass der Bericht fertig ist.“

Falsch: Eine lange, überschwängliche Entschuldigung starten („Oh Gott, es tut mir so leid, ich bin so schlecht darin, bitte verzeih mir…“). Das zwingt die betroffene Person dazu, dich zu trösten und deine Gefühle zu managen.

Fazit: Haltung zeigen im Alltag

Die Beschäftigung mit geschlechtsneutralen Pronomen zeigt, wie lebendig und menschlich Sprache ist. Es geht nicht darum, Perfektion einzufordern, sondern eine Kultur der Wertschätzung und Achtsamkeit zu pflegen.

Ob durch das Eintragen deiner Pronomen in die E-Mail-Signatur, das Einbauen von Pronomen dey deren in deinen Wortschatz oder subtile Gesten wie einen Pronomen-Pin an der Tasche: Als Ally setzt du ein unüberhörbares Zeichen dafür, dass bei dir alle Menschen genau so willkommen sind, wie sie sind.

Häufig gestellte Fragen

Wie lässt sich die Nutzung neuer Pronomen im eigenen Sprachgebrauch am schnellsten trainieren?2026-08-21T12:47:32+01:00

Das Gehirn braucht aktive Wiederholung, um tief verankerte Sprachgewohnheiten zu überschreiben. Am effektivsten ist es, gedanklich oder laut Beispielsätze zu formulieren (z. B. „Dey hat heute den Vortrag gehalten. Ich habe denen danach noch Fragen gestellt.“). Auch das bewusste Lesen von Texten oder Notieren von Beispielsätzen beschleunigt die Umstellung der Sprachmuster spürbar.

Sind Neopronomen auf offiziellen Dokumenten oder im deutschen Recht anerkannt?2026-08-21T12:46:53+01:00

Rechtlich ist der Personenstand „divers“ sowie der Streichungseintrag im Personenstandsgesetz (§ 45b PStG) seit 2018 verankert. In Behördenformularen wird meist auf Anreden verzichtet oder ein neutrales Feld angeboten. Eine gesetzliche Pflicht zur Bereitstellung spezifischer Neopronomen in amtlichen Dokumenten gibt es zwar noch nicht, doch immer mehr Behörden, Hochschulen und Unternehmen bieten optionale Freitextfelder in ihren IT-Systemen an.

Wie verhalte ich mich als Ally, wenn Dritte in Abwesenheit einer Person das falsche Pronomen nutzen?2026-08-21T12:46:14+01:00

Als Ally schützt man sichere Räume auch dann, wenn die betroffene Person nicht anwesend ist. Ein sachliches, freundliches Einhaken ohne Zeigefinger reicht völlig aus: „Übrigens, Alex nutzt dey/deren als Pronomen.“ Setze das Gespräch danach direkt fort. Das korrigiert die Information beiläufig und hilft dem Umfeld, die neuen Sprachmuster einzuüben.

Was bedeutet es, wenn jemand zwei Pronomen angibt (z. B. „sie/dey“ oder „er/they“)?2026-08-21T12:45:33+01:00

Mehrere Pronomen bedeuten, dass die Person mit allen angegebenen Formen angesprochen werden kann. Die erstgenannte Form zeigt häufig die bevorzugte Variante an. Manche Personen schätzen es, wenn im Gespräch flexibel zwischen beiden Formen gewechselt wird, während andere schlicht beide Optionen gleichwertig akzeptieren. Bei Unsicherheit hilft eine kurze Nachfrage, ob eine Variante bevorzugt wird.

Wie funktionieren Adjektivendungen und Personenbezeichnungen bei der Nutzung von Neopronomen?2026-08-21T12:44:51+01:00

Bei Personenbezeichnungen wird meist auf geschlechtsneutrale Nomen (z. B. Person, Mensch) oder Partizipien (z. B. Mitarbeitende) zurückgegriffen. Für Adjektive nutzen viele Menschen die unbetonte -e-Endung oder klassische Deklinationen im Umfeld des Pronomens (z. B. „Dey ist ein kluger Mensch“ oder „Xier ist sehr hilfsbereit“). Da es noch keine starre Duden-Norm gibt, richtet man sich am besten nach den Präferenzen der jeweiligen Person.

Was ist der genaue Unterschied zwischen geschlechtsneutralen Pronomen und Neopronomen?2026-08-21T12:44:00+01:00

Geschlechtsneutrale Pronomen ist der Überbegriff für alle Pronomen, die keine Zuordnung zu männlich oder weiblich vornehmen. Neopronomen (von griechisch neo = neu) sind eine spezifische Unterkategorie: Es handelt sich um neu entwickelte Wortformen wie xier, sier oder nin, die gezielt geschaffen wurden, um Lücken im binären Sprachsystem zu schließen. Formen wie das englische they oder das deutsche dey sind ebenfalls geschlechtsneutral, stellen aber Entlehnungen dar.

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